Den guten Seemann erkennt man bei schlechtem Wetter

Kompass Hund in Hannover und Hamburg

Den guten Seemann erkennt man bei schlechtem Wetter

Warum es gerade die stürmischen Zeiten sind, die uns helfen zu wachsen, verrate ich euch hier. Ich gebe euch Einblick in die Herausforderungen, denen ich mich mit Themba schon stellen musste und was ich aus ihnen gelernt habe…

Die Entscheidung, mir einen Wolfhund anzuschaffen, hab ich mir nicht leicht gemacht. Ich hab drei Jahre lang überlegt, geplant und recherchiert. Ich bereue es nicht. Und doch gab und gibt es genügend Momente, in denen es alles andere als ein Zuckerschlecken ist.

Aller Anfang ist schwer...

Das erste Jahr mit Themba war ein ziemliches Auf und Ab, wobei die Tiefen die Höhen überwogen haben. Er sah es nicht ein, Grenzen von Menschen zu akzeptieren; es gab Zeiten, da heulte er, wenn ich den Raum verließ; er biss alle paar Tage sein Geschirr und alle paar Wochen eine Leine durch und er fand, dass er besser darüber bestimmen sollte, inwieweit ich mich bewegen darf. Es gab echt oft Momente, in denen ich mir eine Pause von ihm wünschte und mich ziemlich kraftlos gefühlt habe. Ohne die viele Unterstützung von Freunden und Familie wär das Leben mit Themba nicht machbar gewesen.

All das haben wir aber mittlerweile Gott sei Dank hinter uns gelassen. Thembas und meine Beziehung hat sich spürbar weiter entwickelt. Vertrauen und Respekt sind gewachsen. Wir kennen uns gut, wir wissen um die Stärken und Schwächen des anderen. Und wir haben beide eine ganze Menge dazu gelernt.

Ich hab zum Beispiel gelernt, dass schwierige Phasen nicht für immer anhalten.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass Themba als Welpe und Junghund einfach zugebissen hat, wenn er eine Grenze nicht akzeptieren wollte. So hat er sich bei seinen Geschwistern wohl gut durchsetzen können, da hatte er nämlich das Zepter in der Hand. Mich hat das ganz schön verunsichert – der putzige kleine Welpe mutierte zu einem ziemlich willensstarken Guppi und in meinem Kopf ging sofort ein Film los, wie ich mit einem erwachsenen 40 Kilogramm schweren Wolfhund heillos überfordert sein würde, wenn dessen Reaktion auf meine Begrenzung wäre, einfach in mich reinzubeißen. – Nun ist er erwachsen und akzeptiert meine Grenzen sehr gut. Je nach Situation reicht ein Blick, ein Stirnrunzeln, ein Knurren oder ein Stupser aus und er nimmt sich zurück, klappt die Ohren weg und lässt von seinem Vorhaben ab.

Als er mit einem halben Jahr die ersten pubertären Anzeichen zeigte, dachte ich nur ‚Himmel, wie soll ich das 1-2 Jahre durchstehen?!‘. Er sprang wie verrückt in die Leine, war an manchen Tagen kaum ansprechbar, fiepte und heulte bei jeder Gelegenheit und vergaß einfach alles, was noch ein paar Wochen zuvor problemlos möglich war. – Nach einem Jahr habe ich dann erkannt, dass es ein Muster gab, das sich etwa alle 3 Monate wiederholte. Themba war immer etwa 2 Monate ziemlich durchschnittlich drauf, wir hatten natürlich gut zu tun, was seine Erziehung anbelangte, aber er war für mich ganz gut händelbar. Daran schlossen sich 2 Wochen an, in denen er einfach alle meine Erwartungen übertraf, perfekt auf meine Signale reagierte, alles anstandlos mitmachte und einfach nur der besterzogene Hund auf der ganzen weiten Welt war. Und danach schlossen sich 2 Wochen purer Horror an, in denen er eben alles vergaß, mir den letzten Nerv raubte und mich an den Rand der Verzweiflung trieb.

Was ich also gelernt habe, ist, nicht bei der ersten Schwierigkeit zu befürchten, dass das nun für immer so weitergehen müsste.

Hunde entwickeln sich weiter, genau wie wir. Sie haben gute und schlechte Tage und manchmal eben auch Wochen. DIe Pubertät ist auch für sie anstrengend und verwirrend und ich selbst lernte ja auch jeden Tag erst mit ihm und durch ihn dazu und machte (und mache!) Fehler, aus denen ich lernen kann und die ich in Zukunft nicht mehr mache..

Mit dem Wissen, dass jede schwere Phase auch morgen schon wieder vorbei sein könnte, lässt sie sich viel leichter ertragen und umso positiver ich dabei bleibe, umso entspannter wird Themba auch wieder.

Höhen und Tiefen gibt es auch heute noch und von einer Herausforderung würde ich euch gern erzählen, denn an ihr kann ich gerade jetzt erkennen, wie sehr ich schon durch Themba gewachsen bin und mich weiterentwickelt habe:

Im Winter herrscht Ausnahmezustand.

Wölfe und auch viele Wolfhunde produzieren im Winter mehr Testosteron als das restliche Jahr über, weil sie sich in der Natur nur dann fortpflanzen, um die Welpen dann im Frühjahr bei wärmeren Temperaturen und größerem Nahrungsangebot großziehen zu können.

Auch bei Themba merkt man den Testosteronanstieg ziemlich deutlich. Einerseits ist der saisonale Unterschied ziemlich praktisch, weil Themba ein Dreiviertel des Jahres kein Thema mit läufigen Hündinnen hat. Da schläft er einfach entspannt und zufrieden neben ihnen, spielt und ist nicht besonders aufdringlich in sexueller Hinsicht. Auf der anderen Seite sind die Wintermonate wirklich eine Tortur.

Letztes Jahr hatten wir das zum ersten Mal in dieser Intensität. Themba steht ziemlich neben sich, die Impulskontrolle ist komplett vergessen, jeder kleinste Reiz sorgt für Überforderung, jede noch so winzige Emotion sorgt für stundenlanges Heulen. Er ist super doll auf Sexualität fixiert, lässt sich aber im Kontakt mit Hündinnen immer noch beeinflussen, wenn auch schwieriger als sonst. Leinenführigkeit kann ich mir in dieser Zeit ziemlich abschminken und auch die Konzentration beim Beuteln lässt nach. Von Geduld kann ich in dieser Zeit nur träumen. Letztes Jahr hat Themba in einem Restaurant so lange geheult, weil er ein bekanntes Gesicht entdeckt hat, dass wir schließlich rausgeworfen wurden, weil er nicht zum Aufhören zu bewegen war. Vor ein paar Tagen hat er geheult, als er wach geworden ist, neulich Morgen hat er geheult, weil er vor mir aufgewacht ist. Letztens hat er geheult, weil ich mich 10 Minuten unterhalten habe und er nicht mehr daneben stehen wollte. Grundsätzlich heult er gerade im Auto nonstop.

Ihr könnt euch in etwa vorstellen, wie blank meine Nerven liegen (bzw. letztes Jahr gelegen haben). Die Vorstellung, dass das jetzt noch zwei Monate anhalten wird, zaubert mir jetzt auch nicht gerade ein Lächeln ins Gesicht.

Eine Sache hat sich seit dem letzten Jahr aber geändert: Ich habe Gelassenheit gelernt.

Letztes Jahr um diese Zeit war ich wirklich am Ende mit den Nerven. Alles, was sonst für uns Normalität war, war plötzlich unmöglich. Autofahren, Restaurantbesuche, Ausschlafen – keine Chance. Themba stand einfach komplett neben sich. Es hing keineswegs an der Anwesenheit einer Hündin, man hatte eher den Eindruck, er ist mich sich selbst einfach so gar nicht im Reinen. Er wirkt auch immer, als wüsste er eigentlich selbst nicht, was er da tut und wohin eigentlich mit sich.

Und genau in dieser Zeit stand, wie es der Zufall so will, ein Fortbildungsseminar für mich an, auf das ich mich schon Monate freute! Es war eine Katastrophe. Themba sprang von einer Seite zur anderen, fiepte und heulte den ganzen Tag, wollte nicht beuteln und hatte zudem jegliche Empathie für andere Hunde verloren. Und ich war nicht nur unendlich genervt von ihm, sondern hatte auch wahnsinnige Sorge darum, was alle anderen Leute von mir denken würden. Schließlich wollte ich nur wenige Monate später meine Hundeschule eröffnen und mein eigener Hund war einfach eine Katastrophe auf vier Beinen.

Ich bin unfair zu ihm geworden, hab ihn angeschnauzt, hab öfter an der Leine gezogen als notwendig und hab selbst auch jegliche Geduld mit ihm verloren.

 

Und dann musste ich erkennen, dass ich so nicht sein möchte. Ich kann nicht ändern, dass auch Themba schlechte Tage oder auch mal schlechte Wochen hat. Er ist schließlich ein Lebewesen mit einem eigenen Charakter und Gefühlen, das sich entwickelt und das dafür auch schwierige Phasen durchmachen muss. Was ich aber ändern kann, ist mein Umgang damit.

Die Leute würden nicht an Thembas Verhalten allein festmachen können, ob ich eine gute Hundeerziehungsberaterin sein würde und ob ich verstehe, was ich da tue. Sie würden es aber an meinem Verhalten sehen können. Wenn ich nicht beeinflussen kann, wie Themba drauf ist, so kann ich aber zumindest dafür sorgen, dass die Leute sehen, dass ich auch in schwierigen Situationen fair, gelassen und verständnisvoll mit meinem Hund umgehe.

Diese Erkenntnis hat mir unglaublich viel Druck genommen. Weder Themba noch ich sind perfekt, aber wir sehen Herausforderungen als Chance zu wachsen und gerade in den schweren Zeiten zeigt sich doch, wie stark unsere Beziehung ist. Und dieses Jahr kann ich schon viel gelassener und souveräner mit Thembas Gefühlschaos umgehen.

Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich meine Kompetenz an seinem Verhalten messen muss, sondern habe einfach Verständnis für ihn und gewinne jeden Tag an Gelassenheit hinzu. Und das ist meiner Meinung nach gerade für Wolfhunde der einzig richtige Weg: Gelassenheit und Souveränität vorleben.

Und nun habe ich ein Spotify Abo, um das Geheule ausblenden zu können. Es hilft, wenn man Herausforderungen mit Humor nimmt. 😉

Durch Themba hat sich meine Sichtweise auf Herausforderungen verändert. Herausforderungen gehören nunmal zum Leben dazu.

Gerade in den schwierigen Zeiten lernen wir einander und uns selbst besser kennen und das können wir nutzen, um uns weiterzuentwickeln. Ich sehe schwierige Situationen jetzt als Chance, Themba zu beweisen, dass ich den Überblick behalte, dass ich nicht die Fassung verliere und dass er auf mich zählen kann, auch wenn es hart auf hart kommt. Und davon werden wir auch in den guten Zeiten profitieren.

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